
Altlußheim. Spannende Einblicke in 200 Jahre Friseurhandwerk konnten interessierte Bürgerinnen und Bürger bei der Führung durch das Friseurmuseum in Altlußheim gewinnen. Der Landtagsabgeordnete Andreas Sturm (CDU) hatte zu einem Besuch von „Schnuteputzer’s Friseurmuseum“ eingeladen. An der Führung nahmen auch Altlußheims Bürgermeisterstellvertreter Friedbert Blaschke, CDU-Kreisrat Thomas Birkenmaier sowie die CDU-Gemeinderäte Kay und Kim Schweikert teil.
„Dieses Museum ist das erste Friseurmuseum in Baden-Württemberg und wirklich einzigartig in Deutschland. Ich freue mich sehr, dass wir heute in die lange Tradition des Friseurhandwerks eintauchen können“, so Sturm in seiner Begrüßung.
Friseurmeister Willi Dörr ließ es sich nicht nehmen, die Gruppe persönlich durch die Räumlichkeiten seines Museums zu führen. Gemeinsam mit seiner Frau hat Dörr über viele Jahre die Sammlung aufgebaut und Exponate sowie ganze Saloneinrichtungen aus unterschiedlichen Epochen erworben, die nun im Museum zu besichtigen sind. Auch ein Freundeskreis unterstützt das Museum. Die Ausstellungsstücke stammen dabei nicht nur aus Deutschland. Eine Saloneinrichtung etwa kommt aus Ungarn. Und so wird in Altlußheim auch ein Stück Geschichte des europäischen Friseurhandwerks bewahrt.
Bis 1930 wurden beim Friseur auch Zähne gezogen
Im Museum gibt es die eine oder andere Rarität zu entdecken wie etwa den ersten Trockenautomaten oder die erste Haarwaschmaschine. Das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1826 und die Saloneinrichtungen gehen bis zum Jahr 1900 zurück. Im charmanten kurpfälzischen Dialekt erzählte Dörr die Geschichte und den Wandel des Friseurhandwerks im Laufe der Zeit. Dabei lernten die Teilnehmer die eine oder andere Anekdote und Kuriosität. So waren Friseure bis 1930 auch als Zahnärzte tätig und das Ziehen von Zähnen gehörte zum Friseuralltag.
Einzigartige Sammlung an Bildern und Schmuck aus Haaren
Besonders stolz präsentierte Dörr die Sammlung an Bildern und Schmuck aus Haaren. Diese Kunstform war insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert beliebt und galt als Statussymbol. „Jedes Schmuckstück ist echte Handarbeit. Nicht selten wurden hier bis zu 200 Arbeitsstunden investiert. Entsprechend kostspielig waren diese Kunstwerke“, erklärte Dörr. Auch Perücken aus unterschiedlichen Epochen können im Museum bestaunt werden.
Eines wurde bei der Führung mehr als deutlich: Willi Dörr ist Friseurmeister aus Leidenschaft und das Friseurhandwerk seine Berufung. Auch mit 82 Jahren ist er noch mit Begeisterung dabei.
Eröffnet vom Großvater, ist der Friseursalon heute das älteste Geschäft in Altlußheim und noch immer ein echter Familienbetrieb in fünfter Generation. Neben Willi Dörr sind unter anderem auch Sohn Jürgen sowie Enkelin Sabrina im Salon tätig.
Nicht zuletzt die zahlreichen Auszeichnungen für Willi und Jürgen Dörr bei nationalen und internationalen Wettbewerben im Friseurhandwerk unterstreichen, mit wie viel Herzblut, Leidenschaft und Qualität hier seit Jahrzehnten gearbeitet wird. Enkelin Sabrina wurde unter anderem als Vizeweltmeisterin ausgezeichnet und holte Team-WM-Gold in Paris. So wird die Familientradition im Friseurhandwerk in jedem Fall fortgeführt. Dabei ist die Familie tief in Altlußheim und der Region verwurzelt. Sabrina Dörr engagierte sich etwa als Altlußheimer Faschingsprinzessin.
Im Anschluss an die Führung gab es bei einem Empfang mit Sekt und Brezeln Gelegenheit für persönliche Gespräche.
(Text: Nils Melkus / Foto: Matthias Busse)
