Schwetzingen: Widerstand gegen Tiefengeothermieprojekt von Geohardt wächst

Tiefengeothermieprojekt von GeoHardt in Schwetzingen / Plankstadt: Bürgerinitiative und Stadträte äußern harte Kritik.
(mb – 07.05.2026) Schwetzingen. Der Widerstand gegen das von GeoHardt geplante Tiefengeothermieprojekt in Schwetzingen nahe der Gemarkungsgrenze zu Plankstadt wächst. An einem Treffen der „Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie Schwetzingen“ am gestrigen Mittwochnachmittag (06. Mai 2026) im Neurott nahmen auch mehrere Schwetzinger Stadträte teil.
Andreas Kinkel, der seit rund 19 Jahren im Neurott und damit unweit des von GeoHardt genannten Standortes für den Bau eines Geothermiekraftwerks wohnt, fand klare Worte: „Ich bin dagegen, aus Profitgründen einfach die Umwelt kaputt zu machen. Es geht hier um Gefährdungen für die Natur, das Grundwasser und auch für uns Menschen.“ Zudem berichtete Kinkel von Schäden durch die Einsätze der Vibro-Trucks: „Da gab es richtige Bodenwellen auf der Straße, interessiert hat das aber bis heute niemand.“
Auch Stadtrat Dr. Horst Herrmann (CDU) äußerte erhebliche Zweifel am Projekt. Er sei eigens nach Bruchsal gefahren, um sich die dortige GeoHardt-Anlage anzuschauen. „Dort wurde erklärt, dass bereits rund 30 Prozent der Bruchsaler Bevölkerung versorgt würden“, sagte Herrmann. Später habe sich jedoch herausgestellt, dass aktuell lediglich die Landespolizeischule mit Fernwärme beliefert werde. Ihm fehle zudem der Nachweis unabhängiger offizieller Überprüfungen der tatsächlichen Leistungsfähigkeit.
Der Vorsitzende der CDU Schwetzingen, Stadtrat Nils Melkus, stellte insbesondere den Standort infrage: „Der Standort ist für uns absolut ungeeignet, er ist nur wenige hundert Meter von der Wohnbebauung entfernt. Jede Windkraftanlage muss mehr Abstand einhalten. Und bei einer Anlage mit vier Kilometern Bohrtiefe soll das kein Problem sein? Das ergibt für uns keinen Sinn.“ Offene Fragen beim Trinkwasserschutz, der Lithiumförderung und der Schadensregulierung seien aus seiner Sicht nicht ausreichend beantwortet worden. „Wir haben deshalb kein Vertrauen in dieses Projekt und lehnen es in dieser Form ab“, so Melkus.
Stadträtin Andrea Rung von den Freien Wählern erklärte, sie sei grundsätzlich offen für erneuerbare Energien. „Die Energie muss ja künftig irgendwo herkommen“, sagte sie. Der geplante Standort sei jedoch „einfach zu nah an Wohngebieten und auch an Gewerbegebieten von Plankstadt“. Zudem bestätigte sie Herrmanns Aussagen bezüglich des Besuchs in Bruchsal. Die tatsächliche Versorgungslage vor Ort werfe aus ihrer Sicht weitere Fragen auf.
Der parteilose Stadtrat Werner Zieger machte deutlich, dass er kein grundsätzlicher Gegner von Tiefengeothermie sei. Sein Hauptkritikpunkt betreffe die Haftungsfrage: „Mir geht es um die Schadensregulierung. Es ist nicht glasklar geregelt, wer am Ende was bezahlt.“ In Deutschland gelte das Verursacherprinzip. „Und das darf nicht ausgehebelt werden, wie es bei größeren Projekten oft versucht wird.“ Deshalb werde es von ihm „keine Ja-Stimme“ für das Projekt geben.
Deutliche Kritik übte auch CDU-Stadträtin Rita Erny. „Von Anfang an wurde nicht mit offenen Karten gespielt. Das ist eine ganz schlechte Voraussetzung für ein so großes Projekt.“ Vor den Messungen mit den Vibro-Trucks seien viele Bürger nicht ausreichend informiert worden. „Die Leute waren überrascht, da sind die Tassen aus den Schränken gefallen.“ Auch der Gemeinderat sei aus ihrer Sicht unzureichend eingebunden worden. In Schwetzingen spreche sich zudem schnell herum, wenn bei Landwirten wegen möglicher Grundstückskäufe an den Türen geklingelt werde. Auch da sei nicht mit offenen Karten gespielt worden. Erny: „Das alles summiert sich. Ich habe da kein Vertrauen.“
Volker Engelfried von der „Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie Schwetzingen“ warnte eindringlich vor möglichen Risiken. Die Bürgerinitiative verfüge über „sehr viel gutes Hintergrundwissen“ und sehe insbesondere die Gefahr von Erdbeben durch Tiefengeothermie in der Region. Zudem seien die Standorte Bruchsal und Schwetzingen „überhaupt nicht vergleichbar“, Schwetzingen sei technisch deutlich anspruchsvoller.
Engelfried: „Wie kann der Standort schon feststehen, wenn Flächen fehlen?“
Kritisch hinterfragte Engelfried die Standortplanung: „Es stellt sich aktuell die Frage, wie GeoHardt überhaupt schon einen Standort nennen kann, wenn unseres Wissens nach noch nicht ausreichend zusammenhängende Flächen vorhanden sind.“ Hierzu wünsche man sich eine Stellungnahme von GeoHardt oder der MVV.
Weitere Fragen beträfen die Lithiumförderung sowie mögliche Folgen technischer Defekte in vier Kilometern Tiefe. Zudem verwies Engelfried auf die hohen Kosten eines Fernwärmenetzes. Beispielhaft nannte er Bruchsal: „Da wollen die Stadtwerke rund 100 Millionen Euro in den Ausbau investieren.“
„Geothermie-Beschleunigungsgesetz entmündigt Kommunen und Bürger“
Noch schärfer wurde Engelfrieds Kritik am Geothermie-Beschleunigungsgesetz: „Hier geht es nur um Lobbyismus, um Lithium und ums Geld.“ Das Gesetz führe dazu, dass „über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird“. Dies sei eine „Entmündigung der Kommunen und Bürger“. Dagegen müsse man sich wehren. (Text und Fotos für schwetzingen-lokal.de: Matthias Busse)
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