Kommunen am Limit: Wenn den Städten und Gemeinden das Wasser bis zum Hals steht

Beim bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ setzten Rathausspitzen aus der Region deutliche Zeichen: in Hockenheim symbolisch im Wasser, in Schwetzingen gemeinsam vor der Aktionsfahne. Fotos: Stadtverwaltung Hockenheim / Stadtverwaltung Schwetzingen
(mb – 22.06.26) Hockenheim/Schwetzingen/Rhein-Neckar. In Hockenheim gingen mehrere Bürgermeister symbolisch baden, in Schwetzingen versammelten sich die Rathausspitzen vor der gelben Aktionsfahne. Die Botschaft war an beiden Orten dieselbe: Den Kommunen steht das Wasser bis zum Hals.
Mit dem bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ haben Städte, Landkreise und Gemeinden am heutigen Montag, 22. Juni 2026, auf ihre dramatisch angespannte Finanzlage aufmerksam gemacht. Auch im Rhein-Neckar-Raum wurde das Thema sichtbar aufgegriffen – mit deutlichen Bildern und einer klaren Forderung an Bund und Länder: Kommunen müssen dauerhaft so ausgestattet werden, dass sie ihre Aufgaben auch erfüllen können.
In Hockenheim machten die Bürgermeister die Lage besonders anschaulich. Im Wasser standen symbolisch Stefan Weisbrod (Bürgermeister von Reilingen), Matthias Beck (Bürgermeister und Erster Beigeordneter der Stadt Hockenheim), Hockenheims Oberbürgermeister Marcus Zeitler, Ralf Gänshirt (Bürgermeister von Hirschberg an der Bergstraße), Marco Siesing (Oberbürgermeister der Stadt Sinsheim) sowie Dr. Ralf Göck (Bürgermeister von Brühl).
„Das Wasser steht den Kommunen wortwörtlich bis zum Hals“, schrieb Hockenheims Oberbürgermeister Marcus Zeitler in einem Social-Media-Beitrag dazu. Städte und Gemeinden würden Tag für Tag immer mehr Aufgaben stemmen, von der Daseinsvorsorge über die Betreuung in Kitas bis hin zum Erhalt öffentlicher Einrichtungen. Gleichzeitig fehlten vielerorts die finanziellen Mittel, um diese Verantwortung dauerhaft zu tragen. Der Bund müsse jetzt handeln und die Kommunen spürbar entlasten.
Auch in Schwetzingen wurde ein gemeinsames Zeichen gesetzt. Vor dem Rathaus beteiligte sich die Stadt gemeinsam mit den Nachbarkommunen am Aktionstag. Mit dabei waren Matthias Kutsch (Bürgermeister von Eppelheim, Timo Wangler (Bürgermeister von Ketsch), Schwetzingens Bürgermeisterin Lisa Schlüter, Dr. Ralf Göck (Bürgermeister von Brühl), Nils Drescher (Bürgermeister von Plankstadt), Pascal Seidel (Bürgermeister von Oftersheim) sowie Schwetzingens Oberbürgermeister Matthias Steffan.
Die Stadt Schwetzingen verwies darauf, dass die finanzielle Lage der Kommunen so angespannt sei wie nie zuvor. Das kommunale Defizit habe 2025 bundesweit rund 30 Milliarden Euro erreicht – mit weiter steigender Tendenz. Gleichzeitig wüchsen die Ausgaben für gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben, insbesondere im sozialen Bereich.
Was nach großen Haushaltszahlen klingt, hat konkrete Folgen vor Ort
Ob Schulen, Bibliotheken, Schwimmbäder, Kultur- und Sportangebote, sozialer Zusammenhalt oder wichtige Investitionen in die Zukunft: All das braucht eine verlässliche finanzielle Grundlage. Wenn Kommunen sparen müssen, geht es am Ende nicht um abstrakte Tabellen, sondern um Angebote, Einrichtungen und Leistungen, die Bürgerinnen und Bürger im Alltag direkt betreffen.
Die kommunalen Spitzenverbände fordern deshalb eine nachhaltige und auskömmliche Finanzierung der Städte, Landkreise und Gemeinden. Außerdem müsse das kommunale Finanzierungsdefizit vollständig beseitigt werden. Zentral ist dabei der Grundsatz: Wer bestellt, bezahlt auch. Aufgaben, die Bund und Länder den Kommunen übertragen, müssen auch vollständig finanziert werden.
Denn ohne handlungsfähige Kommunen funktioniert der Staat dort nicht, wo ihn die Menschen am unmittelbarsten erleben: vor der eigenen Haustür. Kitas, Schulen, Straßen, Schwimmbäder, Vereine, Kultur, soziale Angebote und eine funktionierende Verwaltung sind keine Nebensachen. Sie sind die Grundlage für Lebensqualität und Zusammenhalt vor Ort.
Der Aktionstag „Kommunen am Limit“ machte deshalb deutlich: Die kommunale Finanzkrise ist nicht abstrakt. Sie ist längst vor Ort angekommen.
Weitere Informationen gibt es auf den Internetseiten der beteiligten Städte und Gemeinden: Hockenheim, Schwetzingen, Reilingen, Hirschberg, Sinsheim, Brühl, Eppelheim, Ketsch, Plankstadt, Oftersheim und auch Neulußheim (eigene Aktion).
Kurz URL: https://schwetzingen-lokal.de/?p=21213















