Der Mann, der Barrieren sichtbar macht

Eine starke Stimme für Inklusion: Rudi Bamberger aus Brühl (Rhein-Neckar-Kreis).
Brühl. Als Rudi Bamberger die Tür zu seiner neuen, barrierefreien Wohnung in der Albert-Einstein-Straße öffnet, strahlt er, schenkt ein offenes Lächeln und einen festen Händedruck wie ein Schraubstock.
Seit vielen Jahren engagiert sich Bamberger als Behindertenbeauftragter der Gemeinde Brühl, arbeitet in der Selbsthilfe, organisiert Ortsbegehungen mit Politikern, spricht Missstände deutlich an und kämpft dafür, dass Menschen mit Behinderung selbstverständlich am Alltag teilnehmen können. Als Experte unterstützt er zudem die Schwerbehindertenberatung des CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Sturm – ehrenamtlich.
Bamberger sitzt im Rollstuhl, aber auf dieses Handicap will er nicht reduziert werden, nicht auf die vielen Probleme, die diese Behinderung mit sich bringt. Der 65-Jährige redet vielmehr über das, was er tut. Und das ist eine ganze Menge.
Bamberger spricht ruhig, direkt und ohne jedes Selbstmitleid. Dabei hätte sein Leben auch ganz anders verlaufen können. Vor rund 20 Jahren wurde bei ihm ein Tumor an der Wirbelsäule festgestellt. Die Operation war riskant: „Der Arzt sagte damals wortwörtlich zu mir: Bei 25 Prozent klappt alles, 25 Prozent überleben die Operation nicht. Und 50 Prozent sind danach querschnittsgelähmt.“ Am Ende kam es genau so. Seitdem sitzt Rudi Bamberger im Rollstuhl. Verbittert wirkt er deshalb kein bisschen. Im Gegenteil. Vielleicht gerade deshalb treibt ihn bis heute an, was andere oft übersehen, weil es für sie auch keine sind: die kleinen Hindernisse im Alltag.
Barrieren vor allen Dingen in den Köpfen
Der Bordstein, der für Rollstuhlfahrer zum Problem wird. Der zugeparkte Gehweg. Das Kino mit Behindertenplätzen direkt vor der Leinwand. Oder das Schwimmbad, das zwar eine moderne Umkleidekabine besitzt, aber keinen Weg ins Wasser. Für den ehemaligen DLRG-Ausbilder nicht hinnehmbar. „Da habe ich gedacht: Das kann doch nicht sein. Jetzt musst du etwas tun“, erzählt er. Und er tat etwas.
Heute ist in Brühl vieles barrierefreier als früher. Im Rathaus gibt es eine „Toilette für alle“. Im Freibad wurde ein Poollifter installiert. Öffentliche Bereiche wurden angepasst. Vieles davon hat Bamberger über Jahre begleitet, angestoßen oder eingefordert. Wobei „eingefordert“ bei ihm nie verbissen klingt. Er erklärt, diskutiert, zeigt es ganz konkret und überzeugt. Und manchmal braucht es eben Geduld, sehr viel Geduld. Für den Umbau einer behindertengerechten Toilette dauerte es beispielsweise sage und schreibe sieben Jahre von der ersten Begehung bis zur Fertigstellung. „Man braucht einen langen Atem“, sagt er und lacht herzlich.
Besonders wichtig ist ihm dabei ein Gedanke: Die größten Barrieren existieren oft nicht auf Straßen oder in Gebäuden, sondern in den Köpfen. „Viele denken leider immer noch: Wer körperlich behindert ist, ist automatisch auch geistig behindert.“ Ein Satz, der ihn ärgert. Weil er zeigt, wie schnell Menschen in Schubladen gesteckt werden.
Nie aufgeben und immer weitermachen
Dabei erlebt Bamberger auch viel Hilfsbereitschaft. Vor allem dann, wenn Menschen offen miteinander umgehen. Genau das versucht er vorzuleben, nicht nur als Behindertenbeauftragter, sondern auch als Vater. Denn nach der Operation stand für ihn schnell fest: Aufgeben kommt überhaupt nicht infrage. „Ich musste zudem meinen Kindern zeigen, dass man auch mit einem Handicap leben kann und dass das Leben trotzdem weitergeht.“
Ganz gleich, wie herausfordernd es auch immer kommt: nicht jammern, nicht aufgeben, sondern weitermachen und dabei möglichst viele andere mitnehmen. Das beschreibt Rudi Bamberger wohl am besten. (Text/Foto: Matthias Busse)
Veranstaltungstipp:
Am morgigen Donnerstag, 7. Mai 2026 findet in der Zeit von 10:00 – 13:00 Uhr vor dem Edeka Embach, Luftschiffring 28, Brühl, unter dem Motto „Inklusion jetzt: Aktion für sichtbare Menschenrechte“ eine Informations- und Mitmachaktion statt. Veranstalter ist das Netzwerk Brühl gemeinsam mit der BSK-Kontaktstelle in Kooperation mit der Aktion Mensch. Selbstverständlich wird auch Rudi Bamberger vor Ort sein und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
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