10. Klassen besuchen KZ-Gedenkstätte

Realbegegnung mit dem Grauen Exkursion der 10. Klassen des Hebel-Gymnasiums zur KZ-Gedenkstätte Natzweiler-Struthof

Le Struthof: Fast 800 m hoch liegt der freiliegende Nordhang eines Vogesengipfels, gut 50 km südwestlich von Straßburg entfernt. Von der Gipfelebene aus hat man einen eindrucksvollen Weitblick in die Ferne, ein ideales Ski-und Wandergebiet, ein schöner Ort, wäre er nicht zum Ort des Grauens geworden durch das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, das dort zwischen 1941 und 1944 errichtet wurde.

Die Gedenkstätte, die heute dort für Besucher offensteht, war Ziel der Exkursion der zehnten Klassen des Hebel-Gymnasiums. Die Lehrkräfte der Fächer Religion, Ethik und Geschichte hatten die Schülerinnen und Schüler intensiv auf diesen Lerngang vorbereitet; sie begleiteten und führten sie nun auch durch die historische Stätte und das Museum.

Natzweiler-Struthof war von den Nazis als Straf-und Arbeitslager eingerichtet worden, keine Todesfabrik wie Ausschwitz, von den 52 000 Häftlingen starben gleichwohl 22 000 an den Haftfolgen, an Krankheit, Kälte, Mangelernährung und Erschöpfung durch die gnadenlos harte Zwangsarbeit in der Umgebung, meist in den nahegelegenen Granit-Steinbrüchen, in denen der seltene rote Stein abgebaut wurde für die Monumente der Nazi-Architektur.

Viele Häftlinge wurden auch ermordet, „erschossen beim Fluchtversuch“ hieß es dann zumeist.

Im Lager inhaftiert waren hauptsächlich politische Gefangene und Widerstandskämpfer, eine große Gruppe bildeten auch Sinti und Roma.

Auf die Frage, warum die Schule den Jugendlichen diesen Lerngang und damit die Konfrontation mit diesem schrecklichen Ort zumutet, antwortet Christiane Graf, als Fachabteilungsleiterin für Geschichte und Gemeinschaftskunde neu an der Schwetzinger Schule: „Realbegegnungen sind gerade im Geschichtsunterricht wichtige Erfahrungen, die Erkundung außerschulischer Lernorte macht Geschichte emotional erfahrbar und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.“ Man wolle die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken bringen über die Vergangenheit und neben der Reflexionsfähigkeit auch das Verantwortungsgefühl für das eigene Handeln stärken.

Der fast dreistündige Rundgang führte durch das ehemalige Lager, das von dreifachem Stacheldrahtzaun umzäunt und durch die zahlreichen Wachtürme lückenlos überwacht wurde, sodass ein Fluchtversuch fast unmöglich war. In einer der vier ( von ursprünglich elf) erhaltenen Baracken ist ein Museum eingerichtet, das das Lagerleben anschaulich dokumentiert. Auf dem Appellplatz, an dem die Gefangenen zur Kontrolle zweimal täglich antreten mussten, ragt ein riesiger Galgen in die Höhe, die öffentlichen Hinrichtungen Gefangener dienten der Abschreckung und Verrohung der Insassen.

Im unteren Bereich des auf absteigenden Terrassen angelegten Lagers konnten die Arrestzellen und die ärztlichen Räume besichtigt werden, in denen grausamste Experimente an den Gefangenen durchgeführt wurden. Gleich daneben befand sich das Krematorium, während die Gaskammer etwas abseits vom Lager im Wald verborgen liegt, ebenso die Kommandantenvilla. Es gab Tage, an denen der Schornstein nicht aufhörte zu glühen.Die Asche der Toten wurde in einer Grube verscharrt, die so zum Massengrab wurde. Ein großes Kreuz und Gedenktafeln erinnern heute daran, die Besuchergruppen verharren dort für eine kurze Schweigezeit oder für ein Gebet.

Nach ihren Eindrücken befragt, äußerten viele ihre Bestürzung über das Ausmaß an Entmenschlichung, das sie bei den Tätern aber auch bei den Opfern gesehen hätten. Die unmittelbare Konfrontation mit der Grausamkeit, mit dem, wozu Menschen gegenüber Mitmenschen fähig sind, wurde als Erschrecken, aber auch als Mahnung für ein Nie-Wieder wahrgenommen.

„Jeder Schüler sollte einmal – von der Schule begleitet – eine solche Lernfahrt in ein KZ unternehmen und damit eine Erfahrung machen, die er für den Rest seines Lebens bewahrt.“, meinte ein Schüler. Eine Klassenkameradin ergänzte: „Was Menschenwürde bedeutet, das ist nun kein abstrakter Begriff mehr, das habe ich heute gespürt.“

(Hanna Schwichtenberg)

 

Quelle Text/Foto: Hebelgymnasium Schwetzingen

 

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