Von der Kälte in die Tropen: Seit 20 Jahren Fortschritt in Dourtenga

Den 20. Geburtstag der Partnerschaft zwischen Brühl und Dourtenga in Burkina Faso feierten Brühls Bürgermeister Dr. Ralf Göck für die Gemeinde, Klaus Krebaum für den Förderkreis Dourtenga und der früher unter anderem für Partnerschaften in der Verwaltung tätige Lothar Ertl, der auch Vorstandsmitglied beim Förderkreis Dourtenga ist, mit vielen Gästen aus Dourtenga und der Region Anfang Februar in dem 4.000 km entfernten westafrikanischen Dorf.

Ihre Pendants, der neue Bürgermeister von Dourtenga, Armand Abgas, und der langjährige Präsident des Jumelage-Komitees, Felix Segueda, bereiteten nicht nur diese Feier mit vielen Landsleuten zusammen vor, sondern hatten ein umfangreiches fünftägiges Besuchsprogramm in zahlreichen Amtsstuben, Ortsteilen und Nachbargemeinden organisiert, so dass die drei Brühler sich einen guten Eindruck von der positiven Weiterentwicklung ihrer Partnergemeinde verschaffen konnten.

Keine Vergnügungsreise

Ein touristischer Aspekt kann dieser Reise kaum abgewonnen werden: Der Skulpturenpark in Laongo und das in der Nachbarschaft liegende Operndorf von Schlingensief waren denn auch die einzigen Destinationen und sie wurden auf der Fahrt von der Hauptstadt Ouagadougou in das knapp 300 Kilometer entfernte Dourtenga aufgesucht. Während sich der Skulpturenpark mit der Geschichte des Landes aus künstlerischer Sicht befasst, erwies sich das auch in Deutschland bekannte „Operndorf“ als ein Torso: ansprechende Schulgebäude stehen rund um ein auf einem größeren Platz gebautes Halbrund, das zu einem Freilufttheater werden sollte, bevor der exzentrische Initiator Schlingensief starb.

Überschwängliche Begrüßung

Mit einer großen Motorradstaffel wurde die Delegation in Dourtenga begrüßt: „Beim letzten Mal waren es fünf, diesmal waren es 15 Stück. Den Menschen in Dourtenga geht es besser“, schließt Bürgermeister Dr. Ralf Göck aus der Tatsache, dass mittlerweile in vielen Haushalten Dourtengas ein „Moto“ zur Verfügung steht. „Und Naaba Boulga, der traditionelle Chef, sieht aus wie vor 20 Jahren“, zeigt sich Klaus Krebaum überrascht, als der ihm den traditionellen Begrüßungscocktail aus „Mehlwasser“, Rotwein und Bier (nacheinander) reicht.

Umfangreiches Besichtigungsprogramm

Dann ging es Schlag auf Schlag: Die Entbindungs- und Sanitätsstation von Kobré mit dem vom Kulturfreundeskreis gestifteten Aufenthaltsraum für werdende Mütter und Kinder, die so vor der sengenden Hitze geschützt werden, das Dorf Kobré selber, der Neubau der evangelischen Kirche, für den Heidelberger Frauen Geld stifteten, die Sanitätsstation in Dourtenga mit den Medikamentenlieferungen und dem mit Brühler Geldern frisch gefliesten Kreißsaal, die 2009 entstandene Nähstube für Schul-Absolventinnen, die mit Mitteln aus Brühl und der baden-württembergischen Stiftung für Entwicklungs-Zusammenarbeit geförderte Schule von Pissiribouli samt ihren Nebenräumen und der von der Gemeinde als Jubiläumsgabe gestiftete Brunnen bei dem Kindergarten von Katoulbéré und der renovierte Kindergarten von Gogo, der auch noch auf einen Brunnen wartet, waren die Ziele der nächsten drei Tage. Und zwischendurch organisierte man für „Fotograf“ Lothar Ertl über 250 Patenkinder, die er inklusive eines Namensschildes ablichtete, um so den Brühler Pateneltern und solchen, die es werden wollen, ihre Kinder auch bildhaft zu zeigen. Besonders dieses sehr persönliche Programm, das gute Erfolge in den derzeit 16 Grund- und Sekundarschulen sowie im College und dem Lyzeum bringt, wollen die Brühler noch ausbauen.

Viele Begegnungen und viel Dankbarkeit

Regelmäßige Mahlzeiten in der Residenz des Bürgermeisters und die Vorbereitungen auf das Fest mit T-Shirts und Plakaten nahmen ebenso Raum ein wie viele Begegnungen mit Menschen auf dem Markt und in den Einrichtungen. Insbesondere Lehrer und Kindergärtnerinnen sowie Mediziner begegneten den Brühlern dort und alle dankten für die guten Rahmenbedingungen, die dem Brühler Engagement zu verdanken seien.

Die Dankbarkeit stand auch beim Treffen mit dem Jumelage-Komitee im Mittelpunkt. Genauso herzlich dankte Ralf Göck für die freundliche Aufnahme. Das Internet erleichtere die Kontakte, verstärke aber gleichzeitig das Bedürfnis, von Angesicht zu Angesicht miteinander zu reden: „Wir sollten uns weiterhin regelmäßig sehen“, lud Göck die wichtigsten Begleiter der Woche, Armand Abgas und Felix Segueda, zum Gegenbesuch im September ein, wenn in der Villa Meixner in Brühl ebenfalls das 20jährige Jubiläum gefeiert wird.

20-Jahr-Feier mit über 1000 Gästen

Schließlich wurde Dourtenga für einige Stunden zum Mittelpunkt des Landes Burkina Faso, als im Rahmen der großen Jubiläums-Feier die Organisation „Water Aid“ (Helfen durch Wasser) vor 1000 mehr oder weniger prominenten Gästen ihre Aktion für gesunde „Latrinen“, also hygienische Toiletten, startete, denn in Afrika ist die Durchfallerkrankung noch immer die häufigste Todesursache. Dazu filmten und interviewten Pressevertreter aller fünf namhaften Fernseh- und Radiostationen des Landes sowie der regionalen und landesweiten Zeitungen die Beteiligten der Sponsoring-Aktion und die beiden Bürgermeister. Zwischendurch gab es Geschenke für die Brühler schließlich wurde der „Ritter“ des Nationalen Verdienstordens von Burkina Faso im Auftrag des Staatspräsidenten Roch Mark Kaboré durch Dourtengas Bürgermeister Armand Abgas an Ralf Göck und Klaus Krebaum verliehen, die auf je ihre Weise die Partnerschaft seit 20 Jahren ganz persönlich voranbringen.

Bildunterschriften

1 Botschafter
In der neu erbauten Deutschen Botschaft traf sich Botschafter Dr. Dr. Pohl mit der Delegation zu einem ausführlichen Gespräch und vermittelte auch ein Gespräch bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)

11 Begrüßung
Auf dem Dorfplatz bei der Begrüßung nach der Ankunft in Dourtenga

9 Naaba Boulga
Geschenke hatte Bürgermeister Dr. Ralf Göck viele dabei, hier erhält der traditionelle Chef des Dorfs, Naaba Boulga, das „Brühler Buch“, Charles Abgas und Bürgermeister Armand Abgas schauen zu

3 Besucher 20 Jahr Feier
Viele wollten bei der 20-Jahr-Feier dabei sein

2 Ehrung und Dank
Im Rahmen des Jubiläums wurde Bürgermeister Dr. Ralf Göck und für den Förderkreis Klaus Krebaum mit dem Nationalen Verdienstorden von Burkina Faso ausgezeichnet, den Armand Abgas (rechts, mit Schärpe) überreichte.

4 Patenkinder
Lothar Ertl fotografierte sehr viele „Brühler Patenkinder“ – und solche, die es nach Meinung der Schulen noch werden (sollen)

5 Nähstube
Mit sechs teilweise handbetriebenen Nähmaschinen lernen Schulabgängerinnen das Nähen.

6 Kinder
Überall, wo die Gäste waren, fanden sich schnell viele Kinder ein, hier am Rande der Schule in Katoulbéré

7 Katoulbere Brunnen
Die Gemeinde Brühl stiftete einen (weiteren) Brunnen anläßlich der 20-Jahr-Feier, der dann auch von Bürgermeister Dr. Ralf Göck eingeweiht und mit einem „Brühl“-Schild versehen wurde

8 Dorf
Eine Dorf-Silhouette zeigt das traditionelle dörfliche Leben in den Ortsteilen, in Dourtenga selber gibt es inzwischen schon etliche Steinbauten

10 Kobre Hangar
Den vom Kuklturfreundeskreis gestifteten Hangar nahmen die drei Gäste ebenfalls in Augenschein

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